Kassandra2030 bietet zeitgeistkritische Argumentationshilfen und Quellen, die sich als ideologiefrei verstehen. Das bedeutet, dass die vorgebrachten Argumente und Fakten unabhängig von der persönlichen politischen Meinung des Lesers nachvollzogen werden können.
Trotzdem ist es unvermeidbar, dass auch Wertungen vorkommen, beispielsweise wenn ein Sachverhalt als problematisch betrachtet wird. So ist es in jeder Wissenschaft üblich: Die Nachweise müssen objektiv und wertfrei erbracht werden, aber wie man die dadurch gewonnenen Fakten dann im Hinblick auf irgendwelche Ziele und Gesellschaftsentwürfe einordnet, kann nie objektiv sein, und hier geschieht diese Einschätzung meist aus einer “konservativen” Sichtweise.
Das bedeutet also, dass es beispielsweise sein kann, dass der Leser die Berechnungen und Argumentationsführungen in dem Aufsatz “Deutschland in seiner tiefsten Erniedrigung” nachvollziehen kann, aber die Ergebnisse gar nicht für problematisch befindet und es für ganz und gar unverständlich hält, warum man dsa als eine “Erniedrigung” für die Gesellschaft bezeichnet. Das sind eben die Unterschiede in Meinungen und normativen Standpunkten, die nicht objektiv aufgelöst werden können (und auch nicht sollen, es wäre schlimm, wenn alle die gleiche Meinung zu allem besäßen).
Wenn also z.B. jemand der Meinung ist, es wäre kein Problem, wenn die “Deutschen aussterben” würden, dann wird er gar nicht nachvollziehen können, warum man sich mit so etwas beschäftigt und eine Modellrechnung dazu durchführt. Die Rechnung selbst jedoch ist von diesen Meinungsunterschieden unberührt, da hängt es nicht von dem ideologischen Standpunkt ab, ob man diese für korrekt in der Durchführung und sinnvoll in den Prämissen hält.
Es ist also jeder eingeladen, die sachliche Debatte über die Korrektheit der Begründungen und Nachweise zu führen, aber auch die Meinungsdebatte darüber, wie man die Befunde zu bewerten habe.
Warum wir die Befunde so bewerten, wie wir es tun, soll im Folgenden kurz erläutert werden, und damit auch die Frage, warum das Akronym dieser Seite den Begriff “konservativ” beinhaltet und was unter diesem Attribut verstanden werden soll:
Das “konservativ” in unserem Motto bezieht sich nicht auf z.B. die autokratischen Werte, die die Staatsphilosophen der Gegenrevolution zu Beginn des 19. Jahrhunderts “konservieren” wollten. Vielmehr ist die spezifisch europäische Mélange aus antikem Erbe, christlicher Tradition und der Aufklärung in den verschiedenen Formen der europäischen Sprach- und Kulturgemeinschaften gemeint, welche wir erhalten, also “konservieren” wollen. Warum? Dafür gibt es keine rationale Begründung. Wir wollen unsere Kultur(en) nicht als anderen überlegen darstellen. Wir wollen sie einfach um ihrer selbst Willen erhalten, so wie jede menschliche oder tierische Existenz nach ihrer Selbsterhaltung strebt.
Die WWF begründet unseres Wissens nach nicht, weshalb sie mit riesigem Aufwand die Existenz des Berggorillas zu sichern sucht. Es scheint sich für die meisten aber auch von selbst zu verstehen, da die Vielfalt des Lebens als Reichtum angesehen wird. Auch das Aussterben von traditionellen Sprachen, Religionen, Kulturen, Volksstämmen wird oft genug beklagt und zu verhindern versucht, europäische Organisationen setzen sich für deren Fortbestand ein, nur die europäischen Kulturen selbst haben anscheinend kein Recht darauf. Das ist inkonsequent und unlogisch.
Menschen sind für ihr Überleben auf Kultur angewiesen, auf Überlieferung, Sprache, Werte, Normen, Lebensziele. Eine Kultur ändert sich natürlich ständig, aber diese Veränderungen müssen auch selbst gelenkt und beeinflusst werden dürfen, vor allem in einer Demokratie, in der die Macht über das Volk vom Volk selbst ausgeht und es nicht nach den Vorstellungen von ideologischen Gesellschaftsarchitekten geformt werden darf.
Wieso gibt es denn überhaupt etwas, dass wir als “kroatische”, “japanische”, “türkische” oder eben “deutsche” Kultur bezeichnen, wenn sich doch ohnehin ständig alles wandelt? Das ist die schon in der Antike aufgeworfene Frage, die das Paradox des “Schiffes des Theseus” behandelt:
An einem Schiff werden nach und nach Latten, Nägel und andere Bestandteile ausgetauscht, weil es immer wieder renoviert werden muss. Irgendwann besteht das Schiff komplett aus Einzelteilen, die früher noch nicht da waren, und alle ursprünglichen sind weg – ist es dann noch das “selbe Schiff”? Die Antwort könnte lauten: Ja, wenn Form und Eigenheiten des Schiffes ungefähr reproduziert wurden – nicht 1:1, aber auf wiedererkennbare Weise. “Deutschland” besteht heute zu 0% aus Menschen, die 1900 “Deutschland” konstituierten, und trotzdem sagen wir damals wie heute “Deutschland” dazu, mit welchem Recht? Weil, obwohl sich vieles verändert und modernisiert hat, die “Wiedererkennbarkeit”, z.B. in Sprache, Traditionen, Familiennamen usw. geblieben ist.Wenn man aber das genannte Schiff nach und nach in einen Jägerstand umbauen würde, dann würde es eben keinen Sinn mehr machen, davon zu sprechen, dass es trotz neuer Teile noch das “selbe Schiff” sei. Man könnte dann nicht objektiv sagen: Jetzt ist es “besser” oder “schlechter” geworden, nur ist es dann eben ganz sicher nicht mehr das Schiff. Und wenn man die europäischen Gesellschaften in ihren ethnischen und kulturellen Identitäten in historisch kurzer Zeit in einem solchen Ausmaße umkrempelt, dass die Sprachen, Dialekte, Sitten, Werte, religiösen Orientierungen und Bräuche überhaupt nicht mehr der vorherigen ähneln, dann ist irgendwann die Kontinuität gerissen und das Schiff nicht mehr das Schiff, Europa nicht mehr Europa, Frankreich nicht mehr Frankreich und Deutschland nicht mehr Deutschland.
Ob man das gut findet oder schlecht oder ob einem das völlig egal ist, ergibt sich nicht von selbst. Wir finden es schlecht, aus den Gründen, aus denen wohl auch die meisten Japaner oder Türken oder Äthiopier es negativ bewerten würden, wenn die japanische oder türkische oder äthiopische Kultur verschwinden würde: Man gehört eben dieser Kultur an, hat es sich nicht ausgesucht aber sich daran gewöhnt, und will aus einem natürlichen Selbsterhaltungstrieb heraus, dass seine Kinder und Enkel in einer zumindest wiedererkennbaren Kultur aufwachsen. Das Schiff kann und muss ständig verändert und modernisiert werden, aber es soll das Schiff bleiben.
Kassandra2030 versucht, einen Beitrag hierzu zu leisten.
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