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Verzerrungen und Unwahrheiten über die deutsche Geschichte

28. August 2009

In der deutschen Geschichte gibt es genug Wahrheiten, die schlimm genug sind, sodass es eigentlich keiner zusätzlichen Erfindungen, Halbwahrheiten und Entstellungen bedürfte, sie zu diskreditieren.

Trotzdem scheint das manchen Leuten nicht zu reichen. Dass man von britischen Filmproduktionen des Jahres 1944 über Deutschland nicht unbedingt Objektivität erwarten darf, ist nachvollziehbar. Aber seltsam wird es, wenn es heutige Deutsche sind, die – aus welcher Motivation heraus auch immer, ob sie einfach unwissentlich Falschinformationen reproduzieren oder gezielt die eigene Geschichte und Kultur in den Schmutz ziehen wollen – Verzerrungen und Unwahrheiten verbreiten. Einige von diesen werden unten richtiggestellt.

Nun ist es grundsätzlich nicht schlecht, nicht dem allgemeinen Trend zu folgen und die eigene Geschichte retrospektiv undifferenziert zu glorifizieren, die Schattenseiten schönzureden oder zu tabuisieren, wie es in den meisten Ländern zu einem gewissen Grade sicherlich der Fall ist. Es ist zu begrüßen, eine kritische Distanz zur eigenen Vergangenheit zu bewahren, wenn man wirklich “aus der Geschichte lernen” will. Aber die eigene Geschichte und Tradition fern aller Objektivität vorsätzlich mit Unwahrheiten zu belasten, kann nur als pathologisches Phänomen angesehen werden.

Da das Bewusstsein einer gemeinsamen Geschichte einer der wichtigsten Aspekte kultureller Identität ist, ist es für eine lebendige Kultur und das menschliche Zusammenleben in dieser höchst destruktiv, die eigene Vergangenheit undifferenziert als Verbrecherchronik abzustempeln. Dadurch wird eine Identifizierung mit dieser Kultur zur Identifizierung mit dem Verbrechen, und die Menschen flüchten sich zwanghaft in Ersatzkulturen und andere Halbheiten und Versatzstücke. Die Folgen können vom kulturbefreiten Konsumieren als Lebensinhalt bis hin zu gefährlichen Zuständen kulturellen Chaos’ führen, in dem verschiedene Gruppen aufgrund der weggefallenen gemeinsamen Basis nicht mehr gesellschaftlich kommunizieren können: diverse Subkulturen, sozietätsunfähige Egoisten, Menschen mit Migrationshintergrund, die sich mit einer solchen Negativkultur verständlicherweise nicht identifizieren wollen, und – dieser Zusammenhang wird oft nicht gesehen – einige Restgruppierungen, welche auf die Identifikation mit ihrer Kultur nicht verzichten wollen, und sich an das klammern, was man davon übrig gelassen hat – die Verbrecher.

Es wäre ein leichtes, aus der englischen, französischen, US-amerikanischen, arabischen, serbischen, sudanesischen oder irgendeiner anderen Geschichte eine ähnliche Verbrecherchronologie zu extrahieren, wie man sie heute aus der deutschen macht. Aber das ist nicht der Sinn der Sache. Es täte z.B. dem englischen Bewusstsein und seiner Kultur Schaden, wenn man im Schulunterricht und in der Öffentlichkeit nur die Unterwerfung, Versklavung und Ausrottung diverser Völker rund um den Erdball behandelte, nicht aber die englischen Errungenschaften von Magna Charta bis liberaler Demokratie oder identitätsstiftende Kämpfe und Siege, wie Trafalgar, Waterloo oder den “Battle of Britain”.

In Bezug auf die deutsche Geschichte ist es freilich zum einen diese einseitige Fixierung, wie etwa wenn in allen Gymnasien von Nordrhein-Westfalen die Wissensvermittlung über die Weimarer Republik auf ihren Untergang beschränkt wird. Zum anderen kommen aber auch eben handfeste Unwahrheiten dazu, welche zu regelrechten Glaubenssätzen geworden sind. Nochmals: Es geht hier nicht darum, Verbrechen in der deutschen Geschichte kleinzureden. Eben weil, um den offensichtlichsten Fall zu nennen, allein schon die Realität von Nazi-Terrorherrschaft und NS-Massenmorden schlimm genug waren, gibt es keinen Bedarf, die Geschichte der Deutschen noch zusätzlich mit Unwahrem und Verdrehtem zu verunglimpfen. Die folgenden Legenden werden korrigiert:

1. Deutschland war bis 1945 mit seiner preußisch-obrigkeitsstaatlichen Tradition der kriegerischste Staat in Europa.
2. Die “altdeutsche” Frakturschrift ist Reliquie und Symbol der NS-Zeit.
3. Die erste Strophe des “Deutschlandlieds” ist eine Nazi-Hymne.
4. Deutschland hat die Ostgebiete mit Recht verloren, weil Hitler den Krieg begann.
5. 1939 hat ein Volk die Welt überfallen.

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